T.H.: Private Homepage - HomeNet & Multimedia zur Hauptseite letzte Änderung: Mittwoch, 28. April 2010

Jeder hätte sicher gerne ein "Multimedia-Home" mit allerlei interessanten Funktionen, wie es uns die Werbung doch so gerne verkaufen würde.
Spätestens im Gestrüpp der Abkürzungen und Fachbegriffe stellt man dann fest, daß das doch eher ein furchtbares Chaos ist und hier hinten und vorne nichts zusammenpasst.

Hier ist ein Versuch etwas Licht ins Dunkel zu bringen - dabei versuche ich nur die wichtigsten Teile zu erwähnen und lasse alle weiterführenden Informationen zu Netzwerkprotokollen und Übertragungsstandards bewusst weg. Überholte und veraltete "Wege", wie z.B. analoge-Telefonleitungen werden ebenfalls ignoriert.
Technik, die mit den heute verfügbaren Bandbreiten und Laufzeiten mehr schlecht als recht funktioniert, wird auch nicht weiter behandelt - dazu zählen IP-Telefonie und die diversen Netzwerkgestützten Fernsehdienste.

Der wichtigste Faktor zuerst: Kosten

Eine saubere und durchdachte Planung erspart sehr viel Zeit und Geld - obwohl diese "Weisheit" jedem bekannt ist, wird das doch immer wieder vergessen.
Ich bin doch immer wieder erstaunt, wie hier die sauer verdiente Kohle mit vollen Händen aus dem Fenster geworfen wird.
Diese Planung soll und darf kein Mitarbeiter eines Kommunikationsdienstleisters machen. Der verkauft nämlich nur sein Produkt - ganz egal ob's passt oder nicht.
Heute (im Zeitalter der "Triple-Player") ist es ganz besonders schlimm: Jeder verkauft Komplettlösungen.
Wer seinem Kommunikations-Dealer uneingeschränkt vertraut und die Luftschlösser alle glaubt, soll sich ein "rundum-sorglos-paket" kaufen.
"Rundum-sorglos-Paket"-Kunden sollten jetzt nicht weiterlesen und auf schließen klicken.

Hier geht es nun darum, sich aus dem Angebot die Perlen herauszupicken und mehrere verschiedene Produkte unter einen Hut zu bringen.
Am Ende sollte es möglich sein, ein tragfähiges und vor allem auch nachhaltiges Konzept für eine Heimvernetzung zu erarbeiten.
Je weniger man an dem System herumbasteln muß, um so geringer wird die TCO (total cost of ownership).

Hausanschlüsse

Im Wesentlichen geht's nur um 3 Dienste: Telefon, Fernsehen und Internet (genauer IP-Netzwerk).
Die Verteilung und Nutzung der Dienste erfolgt in 3 Bereichen: Hausanschluß, InHouse-Verbindungen und Endgeräte.

Mögliche Hausanschlüsse verfügbare Dienste Beschreibung
Reine Telefonleitung (ISDN) Telefon / Fax sehr gute Sprachqualität, schnelles Fax, hohe Verfügbarkeit
Telefonleitung mit DSL (ISDN+DSL) Telefon / Fax Internet je nach Standort lahmes Internet - Rest wie oben
Telefonleitung mit VDSL (ISDN+VDSL) Telefon / Fax Internet (Fernsehen) Live-Fernsehen meißt so gut wie nicht benutzbar
UMTS Telefon Internet Internet mit vielen Einschränkungen, daher nur bedingt nutzbar
Reines Kabel-TV (DVB-C) Fernsehen Viele Kanäle sind verschlüsselt und nur mit speziellem Empfänger nutzbar
Kabel-TV mit Daten-Option Telefon / Fax Internet Fernsehen Meißt schnelles Internet, nur rudimentäre Telefonfunktion - Rest wie oben
Terrestrische (Zimmer-)Antenne (DVB-T) Fernsehen Sehr bescheidene Bildqualität. Meißt nur ein paar Kanäle verfügbar
Satelliten-Antenne (DVB-S) Fernsehen Sehr viele Kanäle, sorgenfreie Endgeräte, aber hoher Installationsaufwand

Jetzt muß man sich aus obiger Tabelle nur noch eine Kombination heraussuchen, die alle benötigten Dienste abdeckt.

Für die Internet-Versorgung bleiben eigentlich nur zwei Kandidaten: Eine der vielen DSL-Varianten oder das TV-Kabel.


InHouse-Verbindungen - Kabelspiele

Der Dreh- und Angelpunkt jeder Vernetzung ist die Infrastruktur - das ist auch der Punkt, der die höchsten Kosten verursacht und am meißten Aufmerksamkeit erfordert.

Obwohl die Werbung Gegenteiliges verspricht, ist eine Vernetzung über Funk (WLAN) mit mehr als nur ein paar Nachteilen gesegnet:

Langer Rede kurzer Sinn: Auf die Frage ob "Funk oder Kabel" gibt's nur eine brauchbare Antwort: Beides.
Alles was Bandbreite braucht (Router, Server, Netzwerk-Spieler, Arbeitsplatz-PC, usw.) bekommt ein Netzwerk-Kabel - dabei ist auch die billigste Cat5-Verdrahtung immer noch um Größenordnungen besser als jedes Super-WLAN.
Alle mobilen Geräte bekommen WLAN, wobei man beim Arbeiten auf dem LapTop dann etwas Geduld mitbringen sollte.

Die "Notlösung" PowerLine (Netzwerk über die Steckdose) soll auch nicht unerwähnt bleiben:

Genug der grauen Theorie - jetzt gibt's ein paar Bildchen, damit man mal sieht wo Kabel benötigt werden.
Die Grundversorgung eines kleinen Haushaltes sieht etwa so aus:

Der HWR (Haus-Wirtschafts-Raum bzw. Haus-Anschluß-Raum) muß nicht extra sein - es reicht, wenn die Ansclußdosen "in der Nähe" des Fernsehers sind.
Die gezeigten Geräte passen auch unauffällig zwischen ein paar Bücher ins Wohnzimmer-Regal.

Falls noch ein Arbeitszimmer und ein zweiter Fernseher dazu kommt, könnte das dann etwa so aussehen:

Falls der HWR im Keller ist, muß die Topologie geändert werden, weil das WLan im Keller recht sinnfrei ist.

Dazu ein konkreter Fall, der recht häufig anzutreffen sein dürfte:
Im Keller liegen ein Telefon- und ein Kabel-Anschluß - beide natürlich in der "Asbach-Variante".
Das Kabel ist nicht rückkanalfähig (kein Internet möglich) und nur bedingt digitaltauglich.
Die Telefonleitung lässt immerhin ein "Schmalspur-DSL" zu.

Wenn bei der Verkabelung nicht abenteuerlich gemurkst wurde, sollten sich Teile der vorhandenen Kabelei weiter nutzen lassen.
Der Installationsaufwand reduziert sich damit auf ein einziges Kabel (rot).
Sollte dort bereits ein "kurzes" JY(St)Y-Kabel verlegt sein - was etwa seit 1980 Standard sein sollte - kann man versuchen dieses zu verwenden.

Das ist natürlich eine höchst minimalistische Lösung, die nur noch ein paar Jahre funktionieren wird, weil das für die Inhalte der Zukunft nicht mehr reicht.
Daher ist auch hier dem klassischen Kabel der Vorzug zu geben:

Das Cat5e-Kabel (rot) kann man ggf. durch PowerLine ersetzen und das Cat3-Kabel lässt sich mit DECT-Repeatern vermeiden.
Dabei sollte man sich aber stets bewusst sein, daß das eine störanfällige Bastelei ist, die ein Mehrfaches kostet wie ein Stückchen Kabel.

Im Moment baue ich gerade eine POF (polymer optical fibre) Teststrecke mit Rotronic/Roline-Geräten auf - wir werden sehen, wie das läuft.

Das Plastik-Kabel (2 x 1,5mm) sollte sich in jedem Haushalt ohne großen Aufwand verlegen lassen.


Die Geräte im Einzelnen

Der "Router" ist ein komplexes Teil, dem ich eine eigene Seite gewidmet habe.

Telefon: Der Markt ist voll von DECT-Basisstationen, die bis zu 8 Mobil-Teile versorgen können.
Hier muß man auf den richtigen Anschluß achten. Entweder Digital / ISDN / S0-Bus (z.B. bei T-DSL) oder Analog / ab-Anschluß (z.B. bei KDG).

ScanFaxDruckKopierer: Auch hier gibt's MFCs (multi function copier) in jeder Form und Preisklasse.
Die Standard-Frage: "Laser oder Tinte" kann eigentlich auch nur mit "am Besten beides" beantwortet werden.

NAS (network attached storage) & Medienserver: Da stellt sich natürlich sofort die Frage: "Wofür brauch' ich das denn?"

  1. Erster und wichtigster Punkt: Datensicherung (Backup)
    Festplatten (LapTop) und Speicherkärtchen (Kamera) haben die Eigenschaft "einfach mal so" ganz plötzlich kaputt zu gehen.
    Schade daß die Familien-Fotos dann unwiederbringlich verloren sind - diese kann man dann auch leider nicht mehr "nachmachen".
    Ähnliches gilt für die MP3-Sammlung, in die man viel Zeit und viel Geld investiert hat.
  2. Auf zentral gespeicherte Daten (Fotos, Musik, Textdokumente) können verschiedene Geräte zugreifen.
  3. Aktuelle NAS vereinen eine ganze Reihe verschiedener Server-Funktionen bei minimalstem Platz- und Stromverbrauch.

Benötigte Server-Funktionen:

Ich persönlich setze an dieser Stelle gerne Modelle von QNAP ein - die sind zwar teuer, aber sie sind schnell, zuverlässig und ausgereift.


Medienspieler

Sobald die Mediensammlung (Fotos, Musik und Videos) schön gepflegt und nach eigenen Vorlieben sortiert auf dem NAS gespeichert ist, kann man darauf mit geeigneten Medienspielern zugreifen.
Wie man die vorhandenen Konserven auf das NAS bekommt, wird auf einer eigenen Seite behandelt.

Dazu noch eine Randbemerkung: Ich habe viele Jahre versucht mehrere Dienste (also z.B. Musik und Video) unter einen Hut zu bringen. Dabei sind stets irgendwelche unhandlichen Lösungen entstanden, die zwar alles mögliche ein bisschen konnten - aber nichts davon perfekt. Spätestens wenn man auf der Fernsteuerung irgendeine Funktion vermisst, stehen Tastatur, Maus und reichlich Kabelwirrwarr auf dem Tisch um diesen "Elektronik-Klotz" zu bändigen. Das gilt im Prinzip für alle Media-Center Ansätze - dabei sit es egal, ob da Microsoft, Apple oder Eigenbau draufsteht.


Schlußbemerkung

Bei allen technischen Spielereien darf man einen wichtigen Punkt nie aus den Augen verlieren: Die "Usability" (Handhabbarkeit) und den "WAF" (Women Acceptance Factor). Es nutzt die schönste Medien-Welt nichts, wenn das durch Normalbürger nicht mehr bedienbar ist. Erfahrungsgemäß sinkt der WAF ab der dritten Fernsteuerung auf dem Wohnzimmertisch gegen Null.

Hier würde ich mit der Planung immer beim "elektronischen Hausfreund" (aka: Fernseher) anfangen. Das Ding muß unter allen Umständen benutzbar bleiben.

Modelle mit eingebautem Sat- oder Kabel-Tuner (Empfänger) und Festplattenrecorder sind schlicht genial - sie liefern bereits alle Grundfunktionen ohne weitere Geräte zu benötigen.
Bei DVB-C (Kabel-TV) muß man unbedingt darauf achten, daß das Gerät mit den notwendigen Entschlüsselungskarten (CAMs) umgehen kann.
Das Gleiche gilt für DVB-S2 (Satelliten-TV in HD).